In den letzten Jahren hat das Thema „Corporate Learning Ecosystem“ im deutschsprachigen Raum immer mehr an Bedeutung gewonnen.
Unsere Head of Product, Natalia Jaszcsuk, nahm an einem aufschlussreichen Panel-Interview teil, das vom eLearning Journal veranstaltet wurde und sich mit diesem wachsenden Trend und den potenziellen Auswirkungen dieser „Ökosysteme“ auf die Zukunft von Lern- und Entwicklungsprogrammen in Unternehmen befasste.
Sie können den Expertenartikel auf Deutsch auf der eLearning Journal Website finden oder alternativ das vollständige Interview mit Natalia unten lesen:
1. Learning Ecosystem– eine Frage der Unternehmenskultur?
Ein Learning Ecosystem ist eine umfassende, lebendige Lernarchitektur für die Mitarbeitenden. Es fußt in der Strategie und Kultur des Unternehmens, berücksichtigt seine Stakeholder und verknüpft Lernangebote und Wirkungsmessung zu einem erfolgsorientierten Plan für kontinuierliche Weiterentwicklung. Es darf dabei nicht nur um Technologie gehen: Betroffen ist die gesamte Unternehmenskultur. Ein ganzheitliches Herangehen an Personalentwicklung ist maßgeblich für die Zukunft Ihres Unternehmens.2. Was sind die wesentlichen Bausteine eines ausgereiften Learning Ecosystem?
- Ein wesentliches Merkmal ist, die Geschäfts- und Unternehmensstrategie mit einem Qualifikationsrahmen bzw. einem klaren Entwicklungsplan unter einen Hut zu bringen. Denn: Corporate Learning kann nur Erfolg haben, wenn es an die Business-Anforderungen gekoppelt ist. Das konkrete Ziel ist dabei nicht, dass Lernenden auf jede Frage eine Antwort geliefert werden muss. Vielmehr soll es für die Mitarbeitenden nachvollziehbar werden, wie sie an Inhalte gelangen und sich Wissen aus eigenem Antrieb aneignen können. Hierin liegt eine wesentliche konzeptuelle Anforderung. Im Idealfall liegen der Strategie eine Analyse der Kompetenzlücken oder Überlegungen nach der JBT-Theorie („Jobs To Be Done“) zugrunde.
- Zweitens braucht es eine Kultur, ein Mindset und Arbeitsweisen, die mehrdimensionales Lernen fördern und anerkennen. Wenn das Unternehmen seine Strategie zur Geltung bringen will, muss es auch Lern- und Entwicklungspläne bereithalten. Eine Kultur des kontinuierlichen Lernens, in der berufliche Weiterentwicklung anerkannt und belohnt wird, ist entscheidend für das Funktionieren des Ökosystems. Jedes noch so gut konzipierte Learning Ecosystem wird scheitern, wenn die Werte und Verhaltensweisen eines Unternehmens den Führungskräften keine Anreize bieten, Wachstum zu fördern. Außerdem müssen Mitarbeitende zu selbstgesteuertem Lernen ermutigt werden: Es kann nicht genügen, Compliance-konform Inhalte zu pauken und vorgeschriebene Trainingsprogramme abzuspulen.
- Eine Strategie oder ein System für das Stakeholder-Management ist eine weitere Komponente. Das Learning Ecosystem muss dem Umstand Rechnung tragen, dass es mehrere Akteure gibt, die am effektiven, kontinuierlichen Lernen im Unternehmen beteiligt sind. Idealerweise sollten klare und wirksame Möglichkeiten bestehen, Inputs zu sammeln und sie in Aktionen oder Erkenntnisse umzumünzen. Das geht mit einfachen Mitteln: Stellen Sie beispielsweise sicher, dass die richtigen Leute am Tisch sitzen – und keinesfalls nur die L&D-Teams. Business-Stakeholder sollten ebenso wie Budgetverantwortliche und das Event-Team in den Entscheidungsprozess eingebunden werden.
- Es braucht geeignete Mechanismen zur Bereitstellung der Lernangebote, einschließlich intern und extern entwickelter Lernerfahrungen, verknüpft mit Vorkehrungen, um Eigeninitiative (außerhalb der Arbeit) zu fördern.
- Die Learning-Initiativen müssen mit Wirkungsmessung, Auswertungen und Erkenntnissen einhergehen, um die Fortschritte der Lernenden und den Nutzenfür das Unternehmen zu evaluieren. Idealerweise geschieht dies im Zusammenspiel mit dem HRIS (Personalinformationssystem) des Unternehmens. Es sollte also ein wechselseitiger Abgleich der Daten und Erkenntnisse zu erworbenen Qualifikationen bzw. Lernlücken erfolgen, sodass diese Fakten in Geschäftsanalysen, Karriereentwicklung, Musteranalysen usw. einfließen können.