07 Juni 2023

Learning Ecosystems – eine Frage der Unternehmenskultur

Leadership Entwicklung / Talententwicklung
L&D initiatives

In den letzten Jahren hat das Thema „Corporate Learning Ecosystem“ im deutschsprachigen Raum immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Unsere Head of Product, Natalia Jaszcsuk, nahm an einem aufschlussreichen Panel-Interview teil, das vom eLearning Journal veranstaltet wurde und sich mit diesem wachsenden Trend und den potenziellen Auswirkungen dieser „Ökosysteme“ auf die Zukunft von Lern- und Entwicklungsprogrammen in Unternehmen befasste.

Sie können den Expertenartikel auf Deutsch auf der eLearning Journal Website finden oder alternativ das vollständige Interview mit Natalia unten lesen:

1. Learning Ecosystem– eine Frage der Unternehmenskultur?

Ein Learning Ecosystem ist eine umfassende, lebendige Lernarchitektur für die Mitarbeitenden. Es fußt in der Strategie und Kultur des Unternehmens, berücksichtigt seine Stakeholder und verknüpft Lernangebote und Wirkungsmessung zu einem erfolgsorientierten Plan für kontinuierliche Weiterentwicklung. Es darf dabei nicht nur um Technologie gehen: Betroffen ist die gesamte Unternehmenskultur. Ein ganzheitliches Herangehen an Personalentwicklung ist maßgeblich für die Zukunft Ihres Unternehmens.

2. Was sind die wesentlichen Bausteine eines ausgereiften Learning Ecosystem?

  1. Ein wesentliches Merkmal ist, die Geschäfts- und Unternehmensstrategie mit einem Qualifikationsrahmen bzw. einem klaren Entwicklungsplan unter einen Hut zu bringen. Denn: Corporate Learning kann nur Erfolg haben, wenn es an die Business-Anforderungen gekoppelt ist. Das konkrete Ziel ist dabei nicht, dass Lernenden auf jede Frage eine Antwort geliefert werden muss. Vielmehr soll es für die Mitarbeitenden nachvollziehbar werden, wie sie an Inhalte gelangen und sich Wissen aus eigenem Antrieb aneignen können. Hierin liegt eine wesentliche konzeptuelle Anforderung. Im Idealfall liegen der Strategie eine Analyse der Kompetenzlücken oder Überlegungen nach der JBT-Theorie („Jobs To Be Done“) zugrunde.
  2. Zweitens braucht es eine Kultur, ein Mindset und Arbeitsweisen, die mehrdimensionales Lernen fördern und anerkennen. Wenn das Unternehmen seine Strategie zur Geltung bringen will, muss es auch Lern- und Entwicklungspläne bereithalten. Eine Kultur des kontinuierlichen Lernens, in der berufliche Weiterentwicklung anerkannt und belohnt wird, ist entscheidend für das Funktionieren des Ökosystems. Jedes noch so gut konzipierte Learning Ecosystem wird scheitern, wenn die Werte und Verhaltensweisen eines Unternehmens den Führungskräften keine Anreize bieten, Wachstum zu fördern. Außerdem müssen Mitarbeitende zu selbstgesteuertem Lernen ermutigt werden: Es kann nicht genügen, Compliance-konform Inhalte zu pauken und vorgeschriebene Trainingsprogramme abzuspulen.
  3. Eine Strategie oder ein System für das Stakeholder-Management ist eine weitere Komponente. Das Learning Ecosystem muss dem Umstand Rechnung tragen, dass es mehrere Akteure gibt, die am effektiven, kontinuierlichen Lernen im Unternehmen beteiligt sind. Idealerweise sollten klare und wirksame Möglichkeiten bestehen, Inputs zu sammeln und sie in Aktionen oder Erkenntnisse umzumünzen. Das geht mit einfachen Mitteln: Stellen Sie beispielsweise sicher, dass die richtigen Leute am Tisch sitzen – und keinesfalls nur die L&D-Teams. Business-Stakeholder sollten ebenso wie Budgetverantwortliche und das Event-Team in den Entscheidungsprozess eingebunden werden.
  4. Es braucht geeignete Mechanismen zur Bereitstellung der Lernangebote, einschließlich intern und extern entwickelter Lernerfahrungen, verknüpft mit Vorkehrungen, um Eigeninitiative (außerhalb der Arbeit) zu fördern.
  5. Die Learning-Initiativen müssen mit Wirkungsmessung, Auswertungen und Erkenntnissen einhergehen, um die Fortschritte der Lernenden und den Nutzenfür das Unternehmen zu evaluieren. Idealerweise geschieht dies im Zusammenspiel mit dem HRIS (Personalinformationssystem) des Unternehmens. Es sollte also ein wechselseitiger Abgleich der Daten und Erkenntnisse zu erworbenen Qualifikationen bzw. Lernlücken erfolgen, sodass diese Fakten in Geschäftsanalysen, Karriereentwicklung, Musteranalysen usw. einfließen können.

3. Muss für das Learning Ecosystem das Rad neu erfunden werden?

Die Bezeichnung Learning Ecosystem klingt neu und modern. Tatsächlich handelt es sich aber um eine zeitgemäße Fortführung von Ansätzen, die sich seit Langem bewähren, allen voran die des ganzheitlichen Lernens und generell der „Ganzheitlichkeit“ in der Pädagogik. Es geht also um lebenslanges Lernen in der Unternehmenswelt und die Entwicklung von (digitalen) Systemen, die dies ermöglichen, und deren Optimierung im Hinblick auf die Unternehmensziele.

Relativ neu ist die Tendenz, die Learning-Thematik primär aus technologischer Sicht zu betrachten. Der Fokus verengt sich dabei auf Fragen wie „LMS vs. LXP“. Vor der Anschaffung teurer Software raten wir allerdings zur Vorsicht: Nicht in jeder Lösung, die mit bestimmten Begriffen wirbt, steckt auch ein „Ökosystem“. Die Einführung einer neuen digitalen Technologie wäre für das L&D- oder HR-Team nicht mehr als ein formaler Schritt, wenn nicht gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass kontinuierliche Entwicklung in die Unternehmenskultur und -strategie eingeflochten ist.

4. Welche Fakten sprechen für den konkreten Nutzen von Learning Ecosystem?

Für 85 % der Millennials sind Entwicklungschancen der wichtigste Jobfaktor. Dass Lern- und Wachstumsmöglichkeiten so einen hohen Stellenwert haben, ist auch gut, denn viele der heutigen Kompetenzen werden bis 2025 überholt sein. In den letzten Monaten war eine Explosion der generativen KI zu beobachten. Es ist absehbar, dass schon bald auch die Belegschaft am Arbeitsplatz KI aktiv einsetzen wird – ob freiwillig oder aus Notwendigkeit. Diese Entwicklung eröffnet ein ganzes Universum an neuen Fähigkeiten und Kompetenzen, die bisher nur Technologen vorbehalten waren. Viele Jobs in den Bereichen Recht, Daten, Verwaltung und sogar Medizin werden in 5 Jahren völlig anders aussehen.

Die Wachstumsmentalität, die zweifellos das Herzstück eines gut funktionierenden Ökosystems des Lernens bilden muss, ist auch eng verknüpft mit Verbesserung, Widerstandsfähigkeit, Veränderungswillen und der Bereitschaft zum Experimentieren. Wenn Sie diese Philosophie im gesamten Unternehmen fördern und ganzheitlich mit anderen unternehmerischen Erfordernissen angehen, können Sie entscheidende Veränderungen vorantreiben.

5. Womit steht und fällt die Effizienz des Learning Ecosystems? 

Wir sprechen von einem „Ökosystem“. Dementsprechend haben die wechselseitigen Beziehungen zwischen den einzelnen Bestandteilen einen zentralen Stellenwert. Und daraus folgt, dass auch die beste Strategie nur an der Oberfläche kratzt, wenn die Kultur, die Stakeholder oder die Wirkungsmessung ausgeblendet bleiben.

Die Effizienz von Learning Ecosystem steht und fällt mit einer entscheidenden Erkenntnis: Es handelt sich nicht um eine Schnelllösung in Form einer Software. Vielmehr ist ein Learning Ecosystem ein „DNA-Upgrade“, der konkrete Rahmen, in dem kontinuierliche Weiterentwicklung stattfinden kann.

Ineffiziente Systeme zeichnen sich auch dadurch aus, dass nicht die richtigen Ergebnisse ins Auge gefasst werden. Die Inanspruchnahme von Lernangeboten als einziger Maßstab für die Wirksamkeit des Lernens herangezogen wird, ist seit Langem ein weitverbreiteter Fehler im L&D-Bereich. Die Messung des Bildungsergebnisses macht schon eher Sinn. Sie greift jedoch zu kurz, wenn keine Längsschnittanalysen stattfinden und die Abstimmung auf die Unternehmensziele ausbleibt. Das beste Learning Ecosystem berücksichtigt sowohl die Lernleistung der einzelnen Mitarbeiter als auch den Nutzeneffekt für das Unternehmen. Denn wie mir ein CEO einmal sagte: „Es ist mir egal, ob sie behaupten, dass sie eine Fähigkeit anwenden können. Mich interessiert, dass sie ihre Arbeit dadurch besser machen.“

6) Inwieweit bestimmen Learning Ecosystem den Weg in die Zukunft?

Auch wenn es auf den Namen „Learning Ecosystem“ nicht wirklich ankommt: Das Prinzip dieser Lernumgebungen wird die Zukunft bestimmen. Eine ganzheitliche Herangehensweise an Lernen und Personalentwicklung wird für das Fortkommen jedes Einzelnen in der Arbeitswelt von morgen entscheidend sein. Aber mehr noch: Vom richtigen „Lern-Mindset“ wird abhängen, ob Unternehmen ihre Stellung wahren – oder überhaupt überleben können.

Es mag viele Lösungen geben, die versprechen, ein „Learning Ecosystem“ zu schaffen. Doch wie bei jeder grundlegenden Veränderung – Stichwort „Wasserfall“ und „agil“ – gilt: Sie müssen die richtigen Weichenstellungen und Rahmenbedingungen setzen, um sich auf den Weg machen zu können.

Das Learnlight Impact Framework deckt alle drei Stränge eines zielgerechten Learning Ecosystems ab: 1) Beteiligung, 2) Fortschritt und 3) Leistung aus individueller und unternehmerischer Sicht. Holen Sie sich bei uns alle weiteren Informationen!

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